Kultur ist kein Luxus
Welche konkreten Ideen und Pläne haben die Kandidat*innen der anstehenden Kommunalwahl für die Gestaltung der Kulturregion Augsburg?
Am 13. Februar 2026 lud die Ständige Konferenz der Kulturregion Augsburg e.V., in Kooperation mit a3kultur, zur Talkrunde in die BBK-Galerie im Glaspalast. Geladen waren Kandidat*innen mit kultureller Expertise, darunter Benedikt Lika (CSU), Marcel Escher (CSU), Jörn Seinsch (SPD), Sebastian Karner (Generation Aux), Lisa McQueen (Die PARTEI), Johanna Reski (Die Linke) sowie der amtierende Kulturreferent der Stadt Augsburg, Jürgen K. Enninger (Bündnis 90/Die Grünen).
(Die Visionen der einzelnen Kandidat*innen zur Zukunft der Kultur in Augsburg sind in unseren Interviews »visionär« zu lesen.)
In zwei Punkten waren sich alle Kandidat*innen einig: Kultur sei kein Luxus, sondern integraler Bestandteil der Stadt und Antriebsmotor für eine funktionierende Gesellschaft. Ebenso sei eine faire Bezahlung für Kunst- und Kulturschaffende zwingend notwendig. Entlang mehrerer Leitfragen diskutierten sie anschließend ihre Vorstellungen zur kulturellen Entwicklung der Stadt.
Sichtbarkeit von Kultur im öffentlichen Raum
Mehrere Kandidat*innen betonten die Bedeutung verbesserter Werbe- und Informationsmöglichkeiten für kulturelle Angebote. Sebastian Karner (Generation Aux) sprach sich für günstigere Werbemöglichkeiten aus und schlug die sogenannte Moskito-Plakatierung vor, die sich bereits in anderen deutschen Großstädten etabliert habe. Vorhandene Flächen wie Schaltkästen könnten hierfür genutzt werden, ohne zusätzliche Kosten zu verursachen.
Auch Johanna Reski (Die Linke) und Lisa McQueen (Die PARTEI) thematisierten zusätzliche Plakatflächen. Reski plädierte für kostenlose Plakatiermöglichkeiten in und an städtischen Einrichtungen sowie für eine von der Stadt bereitgestellte Online-Plattform, auf der Kulturstätten ihre Veranstaltungen selbstständig eintragen können. McQueen schlug feste, öffentlich zugängliche Plakatwände für Kulturschaffende und die freie Szene vor.
Digitale Sichtbarkeit spielte ebenfalls eine Rolle. Benedikt Lika (CSU) verwies auf die im vergangenen Jahr veröffentlichte digitale »Kulturmap« der Stadt Augsburg, die als kostenloses Medium ein breites Publikum erreichen könne. Ein weiterer Ausbau sowie ein höherer Bekanntheitsgrad seien wünschenswert. Gleichzeitig betonte er die Notwendigkeit geringeren Konkurrenzdenkens zwischen kulturellen Einrichtungen und sprach sich für mehr gegenseitige Bewerbung, Kooperation und Vernetzung aus. Jürgen K. Enninger (Bündnis 90/Die Grünen) hob bestehende digitale Angebote hervor, darunter den von ihm geführten Instagram-Kanal »augsburgkultur«, die »Kulturmap« sowie den Veranstaltungsplan auf der städtischen Website. Diese stärkten die Sichtbarkeit bereits; entscheidend sei, die vorhandenen Strukturen weiter auszubauen. Zudem betonte er die Bedeutung von Zwischennutzungen – die Möglichkeiten temporärer Leerstände müssten ausgereizt werden.
Jörn Seinsch (SPD) brachte die Idee eines »Kulturinfozentrums« ein, in dem unterschiedliche Szenen und kleinere Kulturstätten die Möglichkeit erhalten sollen, einen etablierten Kulturort zu bespielen und dadurch mehr Öffentlichkeit zu erreichen.
Sicherung und Pflege der kulturellen Infrastruktur
Im Hinblick auf die kulturelle Infrastruktur standen sowohl bauliche Maßnahmen als auch Förderstrukturen im Fokus. Sebastian Karner (Generation Aux) schlug ein effektiveres Warnsystem für Kulturbauten vor, das Risiken frühzeitig erkennt und Schließungen – etwa wie bei der Freilichtbühne – verhindern soll. Darüber hinaus plädierte er für eine stärkere Förderung kleinerer Kulturstätten, da diese maßgeblich für die kulturelle Zukunft der Stadt seien. Zudem sollten vorhandene Bühnen stärker für die freie Szene geöffnet und die Vernetzung von Kultur mit Handel und Gastronomie ausgebaut werden.
Marcel Escher (CSU) bezeichnete den Abschluss laufender Großprojekte, etwa der Sanierung des Staatstheater Augsburg, als zentrale Aufgabe. Leerstände müssten wieder nutzbar gemacht werden, wofür ein enges Zusammenwirken von Bund, Land und Kommune erforderlich sei – vor allem im Hinblick auf die Finanzierung. Außerdem könnten bestehende Flächen wie das Rosenau- oder das Curt-Frenzel-Stadion stärker für kulturelle Zwecke erschlossen werden, um sowohl kleinere Veranstaltungen in den Stadtteilen als auch größere Events zu ermöglichen.
Johanna Reski (Die Linke) sprach sich ebenfalls für die Nutzung von Leerständen aus, allerdings mit dem Ziel dauerhafter Kultureinrichtungen statt reiner Zwischennutzungen. Kulturzentren sollten als solche in der Bauordnung verankert werden, damit Kulturorte unabhängig von Trägerwechseln erhalten bleiben. Sie kritisierte zudem eine unausgewogene Förderung und forderte stärkere Unterstützung für die freie Szene. Ein städtisches Mediationsteam könne die Kommunikation zwischen Kultureinrichtungen und Anwohner*innen verbessern und Konflikte vermeiden. Sicherheits- und Nutzungskonzepte für Grün- und Freiflächen sollten mehr Raum für barrierefreie, kurzfristig planbare Veranstaltungen schaffen. Günstige Ateliers und Proberäume seien unerlässlich, um Kulturschaffende in der Stadt zu halten. Darüber hinaus brauche es finanzielle Konzepte zur Einkommenssicherung von Kulturschaffenden.
Lisa McQueen (Die PARTEI) setzte sich für neue Modelle bei der Sanierung von Leerständen ein. Diese sollten sinnvoll, niederschwellig und im Sinne der Kulturschaffenden erfolgen, um langfristige Nutzung und kreative Entfaltung zu ermöglichen.
Jörn Seinsch (SPD) plädierte für sofortige Finanzierungsmöglichkeiten bei Sanierungsprojekten, da sich Kosten sonst durch zunehmende Schäden und steigende Baupreise weiter erhöhen würden. Kontinuierliche Instandhaltung sei günstiger als aufgeschobene Maßnahmen. Zudem müsse man bei der Generierung von Einnahmen kreativer werden und Möglichkeiten von Kulturfonds und Sponsoring stärker ausschöpfen.
Jürgen K. Enninger (Bündnis 90/Die Grünen) verwies abschließend auf bereits bestehende Maßnahmen, darunter ein internes Ampelsystem für Kulturbauten, eine 2021 eingerichtete Kulturstiftung sowie über 50 neu geschaffene Ateliers und Proberäume im Gaswerk. Die Förderung sei in den vergangenen Jahren erhöht und zusätzliche Räume geschaffen worden – denn Kunst und Kultur seien frei, und diese Freiheit brauche Raum. Verbesserungsbedarf gebe es in der Fehlererkennung. Es brauche eine positive Fehlerkultur, um Probleme klarer zu benennen und effektiver anzugehen. Letztlich sei auch die enge Zusammenarbeit des Kulturreferats und des Baureferats mitzudenken. Man habe sanierungsbedürftige Gebäude im Blick und schaffe stetig innovative Finanzierungsmöglichkeiten.
Direkt im Anschluss diskutierten die Kandidat*innen die Fragen aus dem Publikum. Ihren Ausklang fand die gut besuchte Veranstaltung in lockeren Gesprächen zwischen allen Anwesenden.
Hier gelangen Sie zu den einzelnen Beiträgen der Reihe
»visionär 8. März: Wählen gehen«
Benedikt Lika (CSU)
Hannes Aigner (Freie Wähler)
Johanna Reski (Die Linke)
Jörn Seinsch (SPD)
Jürgen K. Enninger (Bündnis 90/Die Grünen)
Lisa McQueen (Die Partei)
Sebastian Karner (Generation Aux)

